Wald ist Leben

von Götz Heeschen


 ​Wandern in die schönsten Wälder !



Erleben Sie Schleswig-Holstein aus einer neuen Sicht! Machen Sie sich auf den Weg !  Wandern Sie in die schönsten Wälder unseres Landes !


Friedrichsruh und der Sachsenwald


Der Sachsenwald blieb seit der Eroberung im 12.Jahrhundert in der Hand der sächsischen Herzöge. Sie nutzten das Waldgebiet vor allem zur Jagd. 1711 begann der Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg die Weiderechte der benachbarten Dörfer abzulösen. Waldweide und ungeregelte Nutzungen hatten zu erheblichen Kahlflächen mit Heide geführt. 1743 wurde berichtet, rund ein Drittel sei Heide. 1767 errichtete der Statthalter des Herzogs ein Jagdhaus mit seinem Namen: Friedrichsruh. 

Nach dem Sieg über Dänemark wurde Kaiser Wilhelm I. neuer Herzog von Lauenburg. Er übereignete den Sachsenwald 1871 Fürst Otto von Bismarck für seine Verdienste. Bismarck erwarb die alte Gaststätte in Friedrichsruh und baute sie zu seinem Schloss um. Er schätzte den Sachsenwald sehr und unternahm mit seinen Hunden große Wanderungen.

Fredeburg und die Lauenburger Wälder


Eine besonders schöne Gegend ist der Wald um Fredeburg. Er eignet sich gut für eine geschichtliche Wanderung. Fredeburg liegt an der Bundes-straße 207 zwischen Ratzeburg und Mölln.

Die Wälder des Herzogtums blieben in sächsischen Händen. 1573 erließen die Herzöge die erste Holzordnung zu ihrem Schutz.  1656 verfügten sie eine weitere Amtsordnung: „Wälder das vornehmbste Kleynod und Schatz“. Ein Inspektor hatte die Aufsicht. Er wies mit einer „Visitation“ die zu schlagenden Bäume an. Holzvögte übernahmen die Aufsicht vor Ort. 1689 starb die Linie aus und das Herzogtum Sachsen-Lauenburg fiel an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (Kurfürst von Hannover).

Barmstedt und die Hofhölzung


Ganz in der Nähe von Elmshorn gibt es einen alten Wald mit einer eigentümlichen Geschichte. Zahlreiche Funde weisen auf ein altes Siedlungsgebiet hin. Bereits um 1140 gab es eine Kirche.

Auf der Insel hatten die Ritter von Barmstede an der Krückau eine Wasserburg. Nach Aussterben des Geschlechts fiel das Lehen 1322 in die Hand der Schauenburger Grafen. Diese gründeten mit einer Seitenlinie die Grafschaft Pinneberg. Diese Linie starb 1640 aus. Der südliche Teil ging als Herrschaft Pinneberg in den Besitz der holsteinischen Herzöge (dänische Könige), der nördliche Teil an die Gottorfer Herzöge. Sie verkauften das Gebiet an die Ritter von Rantzau auf Breitenburg  (Grafschaft Rantzau).

Falkenhusen und die Lübecker Wälder


Die Hansestadt Lübeck ist seit dem Mittelalter im Besitz umfangreicher Ländereien und Wälder. Der Reichtum an Wäldern ist ein Erbe der alten Hansestadt aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sie behielt Pfandbesitz der Lauenburger Herzöge ein (Mölln von 1359 bis 1683), erhielt Stiftungs-eigentum (Falkenhusen 1321, Waldhusen 1574) und erwarb Grundbesitz verschuldeter Ritter (Behlendorf 1424, Albsfelde 1441, Schretstaken 1452 und Ritzerau 1468).

Verbreitet sind alte Buchen- und Eichenwälder, die weit in die Geschichte zurückreichen. Es gibt aber auch junge Wälder mit einer wechselvollen Geschichte, wie das Revier Falkenhusen im Süden der Stadt. 



Der Ukleisee und die Eutiner Wälder


Alte Laubwälder und große Seen bestimmen die einzigartige Schönheit der Ostholsteinischen Landschaft. Besonders schön ist die Lage am Keller- und Ukleisee. Im frühen Mittelalter siedelten hier die Wenden. Nach der Kolonisierung wurde das Gebiet den Bischöfen von Oldenburg und Lübeck zugesprochen. Sie gründeten die Stadt Eutin. Nach der Reforma-tion verwaltete der Fürstbischof aus dem Hause der Oldenburger das Gebiet bis 1803. Dann wurde es verstaatlicht und blieb bis 1937 in ihrer Hand (Fürstentum Lübeck). Das heutige Schloss erinnert noch an die einstige Residenz. 

1599 wurden erstmals Holzvögte erwähnt. 1712 gab es einen Hegereiter, ab 1750 einen Oberförster sowie für die Jagd einen Jägermeister. Nach 1780 wurde Eutin ein kultureller Mittelpunkt und der Ort am Ukleisee ein beliebtes Ausflugsziel, wie für Johann Heinrich Voß, Matthias Claudius, Carl Maria von Weber u.v.a.



Glashütte und der Segeberger Forst


Der Segeberger Forst ist nach dem Sachsenwald das größte zusammen-hängende Waldgebiet des Landes. Geläufig ist auch der alte Name „Segeberger Heide“, denn früher gab es hier ein großes Heidegebiet. Die Waldweide und die Gewinnung von Glas ließen vom Wald wenig übrig.  Vor 200 Jahren gab es nur wenige alte Buchenwälder, die bis heute die Zeiten überdauerten und wahrscheinlich Reste eines alten Urwaldes sind. Auf der historischen Karte sind diese Wälder noch gut zu erkennen: Waterwinkel und Buchholz (Königskrone auf der Karte). Grundherr war der dänische König als Herzog von Holstein.



Die Fünffinger-Linde und der Riesewohld


Im waldarmen Dithmarschen gibt es ein erstaunlich großes Waldgebiet, welches versteckt abseits der Hauptstraßen liegt. Das Gebiet ist reich an heimischer Flora und seltenen Arten. Aufschlussreiche Funde belegen das Alter und die besondere Geschichte dieses Waldes. Hier gibt es noch alte standortheimische Linden und Flatterulmen. 

Der Riesewohld ist seit der letzten Eiszeit bewaldet. Das Vorkommen der Linden und Flatterulmen konnte aufgrund von Ausgrabungen und Pollenfunde 7000 Jahre zurückverfolgt werden. Sehenswert ist das Naturdenkmal „Fünffinger-Linde“. Diese mehrarmige Linde ist mehrere hundert Jahre alt und damit der älteste Baum der Gegend.


Schierensee und die Wälder am Westensee


Der Naturpark „Westensee“ vor den Toren der Stadt Kiel gilt als einer der schönsten Landschaften im Lande. Die Wälder sind Rest des "Isarnhoe", des Grenzwaldes  zwischen Wikingern und Sachsen im frühen Mittelalter. Nach dem Sieg über die Wenden 1139 bei Plön erhielten die Ritter vom Westensee das Gebiet zu Lehen. Später errichtete Caspar von Saldern hier sein Schloss  und einen Landschaftspark.

Wenn es die Corona-Lage zulässt, biete ich nach Rücksprache mit der Gutsverwaltung wieder geführte Wanderungen im Mai an:  Auf den Spuren der Ritter vom Westensee - Auf den Spuren von Caspar von Saldern.


Gottorf und der Schleswiger Tiergarten


Auf den Höhen hinter dem Gottorfer Schloss liegt das Waldgebiet „Tiergarten“. Wie der Name sagt, war das Gebiet ein historischer Wildpark. 

Die einstige Burg wurde um 1160 erstmals erwähnt. Sie lag als Insel in der Schlei und war Teil des Danewerks. Hier hatte der Schleswiger Bischof seinen Sitz. Nach einem Brand errichteten die Oldenburger Herzöge um 1530 ihr Schloss.  

Herzog Adolf war ein leidenschaftlicher Jäger. 1579 erlegte er bei Schwabstedt an einem Tag 80 Hirsche. Die Linie gewann diverse holsteinische Ämter hinzu und gründete unter Herzog Christian Albrecht 1665 die erste Universität in Kiel. 1693 gab es einen Jägermeister, drei Schützen und 8 Hegereiter. Die Hegereiter führten die Aufsicht in den königlichen und herzoglichen Wäldern. 


Glücksburg und der Schlosswald


Wie im Märchen liegt das Glücksburger Schloss, traumhaft umgeben von Wasser und Wald ganz im Norden an der Flensburger Förde. 

Um 1200 gab es an diesem Ort ein Kloster der Zisterzienser Mönche . Mit der Reformation gelangte das Gebiet in die Hand der Oldenburger Königsfamilie. Das Kloster wurde 1582 abgebrochen, ein Schloss erbaut und ein Schlossteich angelegt. 

In der herzoglichen Verwaltung Glückburgs gab es 1715 einen Oberjäger und einen Oberförster. Zur Oberförsterei kamen die Wälder des Amtes Flensburg hinzu. 

Der Langenberg und die Provinzialforsten


Im waldarmen Nordfriesland gibt es ein großes Waldgebiet bei Leck, das erst vor 140 Jahren entstand. Es liegt von weitem sichtbar auf einer 4 km langen Endmoräne der vorletzten Eiszeit, auf dem sogenannten „langen Berg“. Das Gebiet weist viele Besonderheiten auf, die für die Landesgeschichte von Bedeutung sind, wie den Ochsenweg. Er ist Rest eines uralten Wander- und Heerweges aus der Bronzezeit. Seltene Heidepflanzen säumen den Weg. Seinen Namen hat der Weg von der Ochsendrift, dem Viehtrieb vom 15. bis ins 19. Jahrhundert, der für Schleswig-Holstein eine große Bedeutung hatte.

Die Heideflächen waren noch bis ins 19. Jahrhundert verbreitet.  Carl Emeis schuf  hier 1878 ein großes Waldgebiet. Er setzte auf eine gründ-liche Bodenvorbereitung und eine standortgerechte Aufforstung  mit Buchen, Eichen, Schwarzkiefern und Weißtannen. Heute sind viele alte Waldbestände erhalten geblieben.

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