Wald ist Leben

von Götz Heeschen


Die Geschichte Schleswig-Holsteins


Wer heute mit wachen Augen durch unser Land streift und unsere Städte erlebt, stößt unweigerlich auf die Geschichte. Die Geschichte zu verstehen, ist aber eine Herausforderung. 


Entdecken Sie die Geschichte Schleswig-Holsteins, entdecken Sie die Geschichte der Wälder! Ihre Geschichte ist unsere Geschichte!



Ursprung im Pliozän


Schleswig-Holstein ist jung! Vor 5 Millionen Jahren zieht sich das Meer zurück. Mit der Erdplattenbewegung im Tertiär verändern sich Meeres-strömungen und Klima. Die Gebirge wachsen an,  die Meeresbecken bre-chen ein und die Pole vereisen.

Der Meeresspiegel sinkt etwa um etwa 200 Meter. Das Meer zieht sich aus der norddeutschen Tiefebene zurück und Schleswig-Holstein erblickt das Licht der Welt.

Wälder mit Eichen und Kiefern rücken von Süden vor. Urwüchsige Mammutbäume erobern das Land, deren Nachfahren noch heute in Kalifornien leben. Große Waldgebiete wechseln mit Grassteppen, auf denen Elefanten und Pferde weiden ... 

Die Macht des Eises


Vor 2 Millionen Jahren kühlt sich das Klima weiter ab (Quartär). Die Alpen vereisen. Die Sequoia-Arten sterben aus. Wälder aus Tannen und Fichten wandern ein und verwandeln das Land in eine Taiga-Landschaft. Die Eiszeit bricht ein und prägt das Land über lange Zeit.

Gewaltige Gletscher, über 2 Kilometer mächtig, rücken aus dem Norden an. Sie erreichen dreimal Schleswig-Holstein: vor 400 Tausend Jahren (Elster-Eiszeit), vor 300 Tsd. Jahren (Saale-Eiszeit) und vor 100 Tsd. Jahren (Weichsel-Eiszeit). Mit dem Abschmelzen der Gletscher geben sie dem Land eine ganz neue Gestalt: flache lehmige Grundmoränen, aufgetürmte lehmig bis kiesige Endmoränen, sandige Abflussebenen, weite Urstromtäler und tonige Staubecken, breite Flüsse und Seen (H=Heide, Bo=Boxberg/Aukrug, N=Neumünster, W=Wankendorf, Bu=Bungsberg).


Siedler in der Jungsteinzeit


In der frühen Jungsteinzeit erscheinen die ersten Siedler, wie Ausgrabungen in Siggen bei Kellenhusen und in Satrup bei Schleswig belegen. Die Bevölkerung steigt nach der Pollenanalyse sprunghaft an. Sie bevorzugen die Seeufer des östlichen Hügellands, roden auf kleinen Flächen die Wälder, bauen in der Asche Getreide an und halten Vieh.

Ihre Rinder stammen nicht vom heimischen Auerochsen ab, sondern nach genetischen Untersuchungen von Rindern aus Vorderasien. Die Gegend ist auch die Herkunft der Siedler. Ihre auffälligen Bauten sind die Hünengräber ...  


Auszug der Völker


Nach Christi Geburt kühlt sich das Klima ab. Niederschläge und Sturm-fluten nehmen zu. Die Nordsee zerreißt das Hinterland von Sylt und lässt große Inseln zurück. Nordische Völker dringen ins Land. 

Um 450 n. Chr. geben die hier ansässigen Angeln und Sachsen ihre Siedlungen auf. Sie setzen nach Britannien über, in das Land, welches die Römer mit ihrem Abzug freigeben. Ihre Namen finden sich noch heute dort wieder. Eindrucksvolle Zeugnisse jener Zeit sind die Funde von Langschiffen (Nydam). Die im Südosten siedelnden Sueben ziehen mit dem Zurückweichen der Römer in den Süden, in das heutige Schwaben. Es kommt zu einem extremen Bevölkerungsrückgang, wie die Urnenfriedhöfe belegen ... 


Eroberer im frühen Mittelalter


Nach Abzug der Römer übernehmen die Franken die Macht. König Karl, später Kaiser Karl der Große, eint die germanischen Stämme. Mit Gewalt bricht er den Widerstand der Sachsen unter Führung von Widukind. Den Nordsachsen bietet er Verhandlungen an, doch sie töten seine Boten. Daraufhin verbündet er sich mit den Wenden und schlägt die Holsteiner im Jahre 798 auf dem Schwentinefeld bei Bornhöved. Zunächst überlässt er den Wenden das Land. Dann aber kommen die Wikinger zurück ...


Auf dem Weg zum Frieden


Zur Befriedung des Nordreiches gibt Sachsenherzog Lothar (später Kaiser) im Jahre 1111 Holstein und Stormarn dem Geschlecht der Schauenburger als Grafschaft zu Lehen. Diese nehmen die alte Wikingerburg auf dem Kalkberg ein und gründen dort die Siegesburg als Stammsitz, heute Segeberg. Die Schauenburger führen das Lehnswesen nach karolingischem Vorbild ein. Sie drängen mit ihren Gefolgsleuten, den Rittern, die Dänen im Norden und die Wenden im Osten zurück und behalten Holstein weitgehend in einer Hand. Mit den eroberten Gebieten sind sie sehr freigiebig und überlassen den Klöstern große Gebiete ...


"Dat se bliven ewich tosomen ungedeelt"


Nach Aussterben der dänischen Könige übernehmen die Oldenburger Grafen aus Oldenburg bei Bremen das dänische Königshaus.

Christian I. wird in der Nachfolge der Schauenburger auch Herzog von Schleswig und Graf von Holstein. Dies bestätigen die Ritterschaften mit dem Vertrag von Ripen im Jahre 1460, allerdings mit einer Auflage: Der König muss die Selbständigkeit Schleswigs und Holsteins und die Unteilbarkeit anerkennen. Der deutsche Kaiser bestätigt diesen Vertrag mit der Ernennung Holsteins zum deutschen Herzogtum ... 


Die Gutswirtschaft


Im 16.Jahrhundert steigen die Preise für Getreide rasant an. Die Land-wirtschaft erweist sich zunehmend als lohnend. Die Ritter werden Gutsherren und gründen eigene Höfe.  Die Wälder bieten lukrative Ein-künfte, wie die Waldweide, das Brennen von Ziegeln und die Herstellung von Holzkohle.  Der Bau der stattlichen Herrenhäuser und der Lebensstil des Adels erfordern laufend höhere Einnahmen. Mit dem Rodungsrecht nutzt der Adel die Gelegenheit, die Gutshöfe zu erweitern. Auf den gerodeten Flächen entstehen königliche Vorwerke (Rumohr-Hütten) und gutseigene Meierhöfe (Annenhof bei Schierensee).



Einheit unter Preußen


Der dänische König beansprucht beide Herzogtümer für sein Reich. Es kommt zum Bürgeraufstand, der von den Dänen niedergeschlagen wird. Österreich und Preußen schlagen die Dänen bei Sonderburg 1864. Sie streiten um die Vormacht. Österreich macht gegen Preußen mobil und Reichskanzler Otto von Bismarck erklärt den Krieg. Mit dem schnellen Sieg in Böhmen 1866 übernimmt Preußen die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg.

Am 12. Januar 1867 werden diese mit Proklamation im Kieler Schloss vereinigt und preußische Provinz. Es folgt eine grundlegende Reformierung des Landes im Sinne der Aufklärung, eine „Revolution von oben“. Sitz des neuen Regierungsbezirks wird die Stadt Schleswig. Das Land wird einheitlich in Kreise, Städte und Gemeinden aufgeteilt. Es gibt gewählte Volksvertretungen für den Reichstag, für die Provinz, für Kreise, Städte und Gemeinden ...


Auf dem Weg in die Demokratie


Mit Kriegsende übernehmen die Alliierten die Regierungsgewalt in Deutschland. Schleswig-Holstein gehört zur britischen Besatzungszone. Östlich Ratzeburgs können im letzten Moment Teile ausgetauscht werden, dann fällt der eiserne Vorhang und die Grenze wird geschlossen.

Am 23. August 1946 wird das Land Schleswig-Holstein gegründet. Die ersten freien Wahlen finden in den Gemeinden, in den Kreisen und kreisfreien Städten statt, sowie 1947 die erste Landtagswahl. Diese Landtagswahl gewinnt die SPD.

Mit der Wahl hält auch die dänische Minderheit in Südschleswig Einzug ins Parlament.  Die deutsche Minderheit in Nordschleswig erhält den gleichen Status. Die Grundrechte beider Minderheiten werden gesetzlich gesichert und der SSW von der 5-Prozentklausel befreit.

Rückkehr der Wälder


Ab 1980 wächst die ökologische Bedeutung der Wälder. Abgase aus Industrie und Verkehr führen zum Absterben der Bäume, vor allem der Fichten in den höheren Mittelgebirgen. Das neue Waldsterben macht den sorglosen Umgang mit den Abgasen deutlich. Es folgt eine Reduzierung der Schwefel- und Blei-Emissionen. Problematisch bleiben Stickstoff- und Kohlendioxid-Emissionen. Sie verlangen neue Lösungen: die Abkehr von der Verbrennung fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdöl) und die Nutzung nachhaltiger Energiequellen (Wind, Sonne, Wasser).

Die Landesregierung beginnt die Forstwirtschaft mit gezielten Programmen zu unterstützen. Ökologische Erfordernisse setzen sich durch. 1992 erfolgt die Einführung der naturnahen Forstwirtschaft. Die Landesregierung fördert mit erheblichen Mitteln den Anbau von Laubbäumen und die Neuwaldbildung ...

Aufschwung, Wohlstand, Einheit - neue Risiken


Die Öffnung der Märkte und die Einfuhr vor allem von Erdöl führen zu einem ungeheuren Aufschwung und zu einem nie gekannten Wohlstand. Der Mauerfall und die friedliche Wiedervereinigung lassen uns Deutsche das höchste Glück erleben.   

Auf der Höhe dieser positiven Entwicklung angekommen, fordern uns neue Risiken heraus: Klimaentwicklung, Flüchtlinge aus Krisengebieten, ein Aufflammen nationaler Gesinnung und die Corona-Pandemie. Sie machen bewusst, dass wir uns von den Problemen der Welt nicht abgrenzen können, sondern aus der Geschichte lernen müssen, die Probleme gemeinsam zu lösen und für Freiheit und Demokratie einzustehen.  

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