Wald ist Leben

von Götz Heeschen


Vom Waldland zum Kulturland !

Lesen Sie vorweg: Eine herrlich gelungene Beschreibung unserer Heimat um 1800 !   


Nachfolgend ein Ausschnitt zitiert aus dem Werk von Georg Hanssen "Das Amt Bordesholm im Herzogthume Holstein", erschienen 1842 in der Schwers'schen Buchhanlung in Kiel:


"Wie das Amt Bordesholm als Teil der ehemaligen Grafschaft Holstein angehörte, so sind auch die Bewohner dieser Gegend rein sächsischen Ursprungs. Einwanderungen von anderen Gegenden des Landes wurden schon im Mittelalter während der klösterlichen Herrschaft durch die Bindung an die Hufen erschwert. Später, in der fürstlich-gottorfischen Zeit mag öfter fremdes Blut dadurch Eingang im Amte gefunden haben, daß Hofdiener und dergleichen zur Belohnung ihrer Verdienste mit vacanten Hufen beschenkt wurden.

Die gewöhnlichsten und ältesten Familiennamen im Amte, die unter den Hufnern zu finden sind, sind folgende: Plambek, Reese, Rixen, Sachau, Brüning, Einfeld, Schlotfeld, Butenschön , Heesch, Hamann, Bustorf, Stange, Ehmke, Delfs, Sinn, Speck, Riper, Gnutzmann, Voß, Sellmer, Köhler, Repenning, Gabriel, Rieken, Danker, Blöcker. Wie ein Vergleich der Amtsrechnung von 1695 ergibt, sind seit 150 Jahren die Hälfte aller Hufen noch im Besitz derselben Familien geblieben und von der anderen Hälfte mögen viele auf Verwandte oder durch Verheiratung von Töchtern auf andere der genannten Familien übergegangen sein.

Ein ganz tüchtiger gesunder Verstand ist den Bordesholmern im Charakter in der Regel von der Natur mitgegeben, wie auch ein ziemlich rasches Auffassen in der Jugend. Die Kinder sind überhaupt frohsinnig und munter, und die Ärmeren unter ihnen, welche den Sommer über außer Amts zubringen, namentlich im Rendsburgischen, wo sie zum Gänsehüten u.s.w. gemietet werden, sind dort wegen ihrer Anstelligkeit, Brauchbarkeit und guten Aufführung wohl gelitten. Erst wenn die Jugend in den Kreis der Erwachsenen übergeht, tritt das holsteinische Phlegma mehr hervor, und damit bei Manchen eine gewisse Langsamkeit in allen geistigen Operationen. Die Bordesholmer sind kräftig und rasch im Arbeiten, die Frauen tätig und ordentlich, die Männer tüchtige Landwirte und beharrlich in der Ausführung landwirtschaftlicher Verbesserungen, wenn sie nur erst einmal den Entschluß, solche einzuführen, gefaßt, sie als notwendig erkannt haben. Wenn der Verstand bei den Meisten auch das Gemüt beherrscht, so ist ihnen doch Gefühl keinesweges abzusprechen, nur kommen Gefühlsäußerungen weniger zum Vorschein. Eine gewisse Gutmütigkeit ist ein vorherrschender Zug im Charakter der Bordesholmer.

Ein ganz eigentümlicher Zug im Charakter ist die Scheu vor dem Urteile Anderer. „Was werden die Leute dazu sagen“ ist eine Bedenklichkeit, die ihnen fortwährend vorschwebt, daher sie auch in der Lebensart und in allen äußern Dingen nicht weiter gehen, als die allgemeine Sitte im Amte es gestattet, aus Furcht in das Gerede zu kommen.

Die tägliche Kost in den Haushaltungen der Hufner ist reichlich und nahrhaft, besonders in den wohlhabenderen Dörfern (die nicht adligen Dörfer). Die gewöhnliche Beköstigung ist folgende: Früh morgens, im Sommer vor 6 Uhr, ehe die Feldarbeiten beginnen, erhält das Gesinde Grütze (Buchweizengrütze, im Sommer mit kalter Milch oder Buttermilch, im Winter aufgekocht, siehe auch Franz Rehbein in Holstein „Das Leben eines Landarbeiters“ von 1911). Neben der Grütze gibt es bisweilen Kartoffeln oder Klöße, die vom vorigen Tage stehen geblieben sind und aufgebraten werden. Das Mittagsessen besteht aus einer Vorspeise mit einem Milchgericht oder einer Specksuppe und einem Hauptgericht mit Pfannkuchen oder Klößen, Kartoffeln, Kohl und Speck (oder bei den Hufnern auch mit geräuchertem oder gepökeltem Fleisch), abends gewöhnlich wie morgens Grütze, dazu Schwarzbrot nach Belieben. Das gewöhnliche Getränk ist Buttermilch oder Wasser. Bier wird in den Haushaltungen nicht gebraut und gewöhnlich wie auch Branntwein nur in der Erntezeit gegeben.

Bei der Untersuchung über die Frage, ob und in welchem Umfange Wohlstand oder Armut gegenwärtig und im Vergleich mit früheren Zeiten im Amte vorherrschend sein möchte, sind die Einwohner desselben ihrer ganzen ökonomischen Lage nach zuvorderst in 3 Classen zu bringen: 1. Die Hufner (unfreie Bauern unter Herrschaft eines Grundherrn, des Herzogs bzw. des Königs oder des Gutsherrn), welche den größeren Erbpächtern gleich stehen. 2. Die Kätner (Bewohner einer Kate wie Pastor, Lehrer oder Handwerker unter Herrschaft eines Grundherrn), denen auch die kleineren Erbpächter zuzurechnen sind. 3. Die Insten oder Besitzlosen (Knechte, Mägde, Tagelöhner des Hufners).

Was die Hufner und größeren Erbpächter oder den eigentlichen Bauernstand betrifft, so ist es unzweifelhaft, daß alle äußeren Anzeichen einen gewissen Grad von Wohlstand verraten. Die meisten 125 Gebäude sind nicht allein gut unterhalten, sondern nicht selten auch stattlich aufgeputzt, und die ganze Einrichtung im Innern geht, wenn auch bäuerlich geblieben, über das Notwendige hinaus. Fast jeder Bauer hat einen stattlichen holsteinischen Wagen. Die Leute sind täglich gut gekleidet und reichlich genährt, und für das gesellige Leben und den sonntäglichen Putz des weiblichen Geschlechtes wird nicht weniger verwandt; auch gehen die Steuern prompt ein. Es könnte desungeachtet mancher auf schwachen Füßen stehen, der, verleitet von der Conjunktur, mit wenigem Capital eine Hufe zu hohem Preise gekauft hatte und daher an einer großen Zinsenlast laboriert. Allein die Mehrzahl der Hufen geht doch vom Vater auf den Sohn über, und dieser erhält die Stelle gegen eine moderate Abfindungssumme an seine Geschwister, sodaß auf den meisten Hufen schwerlich mehr als 80 bis 100 Reichstaler Zinsenlast (1 Taler = 3 Mark) ruht, und überhaupt die Verschuldung der Stellen im Ganzen noch nicht ein Viertel des durchschnittlichen Capitalwertes derselben betragen mag.

Die Lage der zweiten Classe, der Kätner, ist so verschieden nach den persönlichen Verhältnissen, daß hierüber schwerer ein allgemeines Urteil sich aussprechen läßt. Gewiß ist es, daß sehr viele nur sehr kümmerlich ihr Auskommen haben, namentlich gilt dies wohl von der Mehrzahl der Handwerker. Es gibt aber auch Kätner, welche so viel Land haben, daß sie den Halbhufnern gleichstehen.

Die dritte Classe sind die Besitzlosen, welche von der Arbeit ihrer Hände leben sollen, vornehmlich die Insten und Tagelöhner. Von diesen befindet sich die Mehrzahl in den bedrückendsten Umständen. Der gewöhnliche Tagelohn nebst Verabreichung der Kost beträgt für den Mann im Sommer 5-6 Schillinge und im Winter 4-5 Schillinge (1 Mark = 16 Schillinge), als Tagelöhner ohne Beköstigung im Akkord auch 16-24 Schillinge. Die Frauen der Tagelöhner sind durch die Sorge für ihren Hausstand, durch Wochenbett und Kinderpflege, oft auch durch den Mangel an Arbeitsgelegenheit, einen großen Teil des Jahres abgehalten, den Verdienst des Mannes zu vermehren. Sie können mit dem Spinnen für die Bauersfrauen nur wenige Schillinge täglich verdienen. Der Nebenverdienst der Kinder beschränkt sich darauf, daß sie den Sommer über von den Bauern im Amte zum Hüten gemietet werden ("Lüttjung" ab 14 Jahren oder "Grotjung" im Alter von 16-18 Jahren) , wofür sie denn freie Beköstigung erhalten und neu gekleidet im Spätherbst zur väterlichen Hütte zurückkehren.

Im Ganzen kann man den jährlichen Verdienst einer Instenfamilie (Mann, Frau und Kinder) an Geld nicht höher als für 300 Arbeitstage bei durchschnittlich 5 bis 5½ Schilling pro Tag mit 100 Mark veranschlagen, wozu dann noch die freie Beköstigung des Mannes in etwa 200 bis 250 Tagen kommt. Wie diese Einnahme, welche nicht größer ist als der Lohn eines Dienstknechtes, der doch nur für sich zu sorgen und sonntags wie werktags reichliche Beköstigung hat, zur Ernährung einer Familie z.B. von Frau und 4 bis 5 Kindern ausreichen kann, ist völlig unbegreiflich, da fast alles, was zur Nahrung und Bekleidung erforderlich ist, neben der Miete für bares Geld angeschafft werden soll. Die Miete ist zwar durch Vereinbarung der Bauern in den meisten Communen von 10 bis 12 auf 6 bis 8 Reichstaler heruntergesetzt, allein auch so noch gehen etwa 60 Arbeitstage zur Deckung dieser einen Ausgabe weg." (Erklärungen sind in Klammern ergänzt.)

"Blomendal"

An der Autobahn kurz vor Kiel liegt Blumenthal, ein typisches Dorf im Herzen Schleswig-Holsteins.

Als unsere Vorfahren entlang des alten Heerweges von Ekehoe (niederdeutsch Eichenwald, heute Itzehoe) in diese Gegend kamen, siedelten hier  slawische Wenden. Beim Anblick der gerodeten Wiesen inmitten des Waldes nannten sie diesen Ort "Blomendal“. Sie gründeten um 1300 ein Dorf mit vermutlich 12 Hufenstellen neben der wendischen Siedlung (Klein Blomendal, vermutlich später Ossenbarg, Ochsenberg, heute Osselberg). Das Dorf lag in der Grenzmark zu den Wenden. Die Grenze bildete der Scheideweg (heute Scheidekate, Scheide-krug). 

Grundherr war der Eroberer, der Ritter vom Westensee. Er verlangte für den Schutz des Dorfes einen Teil der Ernte. Holz und Waldweide aber waren freigestellt. Da ihm das ganze Land bis Nortorf gehörte, verkauften seine Nachkommen das Dorf 1470 an das Kloster Bordesholm. Von den Hufen blieben nach der Pest um 1400 noch 8 übrig. Auch um 1500 war die Gegend noch überwiegend bewaldet  (siehe linke Karte). 

Mit der Reformation wurde das Kloster 1566 abgeschafft und das Gebiet dem Herzog von Schleswig zugesprochen. Nach Einführung der hochdeutschen Sprache hieß das Dorf Blumenthal. 

Der Herzog ließ mit der Gewinnung von Glas große Teile seiner Wälder roden. 1737 verteilte er das Gutsland in Erbpacht an Siedler, die Höfe abseits der Dorflage gründeten: Hof Sophienlust, Hof Osselberg (Landkrug), Bollhuser Teich mit Teichwirtschaft. Die Ernteabgaben wurden in Steuern überführt. Die Holz- und Weiderechte gerieten zum Problem, da der restliche Wald ausgeplündert war (siehe Karte von 1790). 

1805 hob der dänische König die Leibeigenschaft auf und leitete eine Bodenreform ein (Verkoppelung). Die Hufner wurden freie Bauern mit eigenem Land. Als Ersatz für ihre Rechte am Wald bekam jede Bauernstelle 4 ha Wald. Die verbliebenen königlichen Forsten sind mit einer Königskrone gekennzeichnet (SH Landes-forsten).

Die Bauern errichteten Höfe mit stattlichen Fassaden, wie auf dem Hof Nehlsen mit dem Bordesholmer Giebel (unteres Bild von 1936). Noch heute kann man die Häuser dieser Zeit im Freilichtmuseum Molfsee bewundern. 

1855 gab es eine Schule für 80 Kinder, 2 Wirtshäuser, eine Schmiede und div. Handwerker. 

1867 wurde das königliche Amt Bordesholm aufgelöst und Schleswig-Holstein preußische Provinz.

Ab 1882 gab es eine freiwillige Feuerwehr, 1908 eine Spar- und Darlehnskasse, eine Meierei mit Dampf-betrieb, eine Windmühle und eine Gemüsegärt-nerei (siehe Dorfansicht um 1910).

In den 1960er Jahren wurde die Landstraße nach Langwedel gebaut. Zuvor gab es einen gepflasterten Winterweg und einen unbefestigten Sommerweg. Er führte von der Altonaer Chaussee (B4) durch das Dorf bis zum Scheidekrug. Von dort führte ein einfacher Sandweg über Ruhleben weiter nach Langwedel.

1970 waren noch 8 Bauernstellen vorhanden. Blumen-thal erhielt 1972 den Anschluss an die Autobahn, 1977 Trinkwasser vom Heiligen Berg (Hochdruckbehälter des WBV), 1989 die Umgehungsstraße und 1993  ein neues Dorfgemeinschaftshaus mit Kindergarten.

Heute prägen Einfamilienhäuser das Dorfbild, da im Zuge des Preisverfalls und des Strukturwandels die meisten Bauernhöfe verschwanden. 




Schierensee

Das Dorf und das gleichnamige Gut liegen in wunderschöner Lage in der Nähe Kiels am Landweg nach Rendsburg.

Als unsere Vorfahren vom Süden in diese Gegend kamen, siedelten hier slawische Wenden. Ritter errichteten zu ihrem Schutz die Rottenburg unmittelbar am See. Sie rodeten die Gegend und nannten den See Schierensee (ndt. kahler See). Das 1. Foto von 1910 vermittelt noch diesen Eindruck ohne die Aufforstungen. 

Das Dorf hatte nach der Pest um 1400 nur noch 4 Bauernstellen (Hufen). Das benachbarte Bünstorp (am Hof Marienberg), in dem vielleicht die Wenden wohn-ten, ging während der Pest unter.

Die Ritter vom Westensee errichteten ausgehend von ihren Stammburgen Hohburg und Lohburg weitere Burgen in Bossee, Emkendorf, Deutsch Nienhof und zuletzt in Schierensee. Das Dorf wurde erstmals 1470 mit dem Verkauf an das Kloster Bordesholm erwähnt.

Zum Dorf gehörte der sogenannte Heeschenberg, ein lichter Buchenwald, der dem Dorf als Waldweide diente. Der Sage nach, soll hier ein Riese Hans Heesch gelebt haben, der gern auf einem Stein saß, der so groß gewesen sein soll, dass auf ihm ein Vierspänner wenden konnte. Der Stein soll tatsächlich mit den Maßen 20 x 20 Meter existiert haben. Casper von Saldern ließ ihn später zum Bau des Herrenhauses teilen.

Mit der Reformation wurde das Kloster 1566 abgeschafft und das Gebiet dem Herzog von Schleswig zugesprochen. Dieser ließ mit der Gewinnung von Glas große Teile der Wälder roden (Fahrenhorst, Glasberg, Annenhof, Rumohr-Hütten). Die Hufner klagten mehrfach, wenn Wälder für die Schweinemast verloren gingen. 1650 trieben sie noch 200 Schweine in den Wald, um 1750 waren es nur 20. Das Gutsland verteilte er in Erbpacht an Siedler, die Höfe abseits der Dorflage gründeten (siehe Karte von 1790).

Auf dem Gut Schierensee wechselten häufig die Besitzer. Sie standen meist im Dienste des Gottorfer Herzogs, wie auch Caspar von Saldern. Er erwarb 1751 das Gut, erhielt den Elefantenorden für seine Verdienste und eine hohe Provision. Damit kaufte er 1766 den Heeschenberg, errichtete einen englischen Park und baute 1774-78 das heutige Schloss. Seine Nachkommen erwarben 1806 den Bollhuser Wald vom Gut Pohlsee (ehemals Deutsch-Nienhof).

1771-1957 bestand die Holzvogtei im Bollhuser Wald,  1818-1998 die Försterei Heidberg, heute vermietet (sie-he 2. Foto von 1910). 

1855 gab es eine Schule für 50 Kinder, eine Schmiede und div. Handwerker.

1867 wurde das königliche Amt Bordesholm aufgelöst und Schleswig-Holstein preußische Provinz.

1887 gab es eine Meierei mit Dampfbetrieb, mehrere Wirtshäuser, 1891 eine freiwillige Feuerwehr, 1903-36 die Kolonialwarenhandlung Oskar Arnold, 1907-68 die „Hökerei Auguste Rix“.

1928 kam das Gut mit Auflösung der Gutsbezirke wieder zum Dorf (Kreis Bordesholm, 1932 Kreis Rendsburg). 1962 erfolgte der Bau der heutigen Landstraße nach Rendsburg. Beim Bau fand Claus Arp die Schaufeln eines Elches, der vor 8000 Jahren hier lebte.

Heute ist die Gegend dank der Aufforstungen am See (Heidberg) und am Gut (Fahrenhorst) wieder sehr wald-reich. Alte Bauernhäuser und neue Einfamilienhäuser prägen das Dorfbild.




Langwedel

Zwischen Nortorf und Blumenthal gelegen, kann Langwedel auf eine alte, spannende Geschichte zurück-blicken.

Vor 1000 Jahren zogen die Sachsen um Itzehoe in den Norden, in das Gebiet, dass sie einst mit der Völkerwanderung verlassen hatten. Es waren die Holsaten, die im Holze Sitzenden, heute Holsteiner, die um 900 n. Chr. Nordtorp (Nordörp, Norddorf, heute Nortorf) gründeten. Wikinger und Wenden hatten das Land besiedelt und machten mit ihren Raubzüge das Land unsicher. Die Holsaten errichteten zu ihrem Schutz eine Fliehburg nördlich von Nortorf (Borgdorf).

Der Herzog der Sachsen beauftragte Ritter, die Holsaten zu schützen und die Gegend zu befrieden. Erst um 1100 gelang den Schauenburger Grafen, die wendischen Anführer zu vertreiben. Sie zogen weiter in den Norden und errichteten eine Siedlung an einer engen Furt, die sie leicht verteidigen konnten: Langwedel (ndt. lange Furt, erstmalig 1197 genannt).

Mit Unterstützung einheimischer Stammesführer, wie Marquard von Westensee, schlugen sie die wendischen Anführer in die Flucht. Mit den hier verbliebenen Wen-den einigten sie sich und gründeten Siedlungen in ihrer Nachbarschaft, wie Groß Vollstedt (neben Wendisch oder Klein Vollstedt), Groß Blumenthal (neben Wendisch oder Klein Blumenthal, später wohl Osselberg) oder Groß Flintbek (neben Wendisch oder Klein Flintbek).

Die Ritter erhielten das eroberte Land zu Lehen. Sie warben Siedler an, die sie mit Lebensmittel versorgten (Naturalabgaben). Sie verkauften ihre Lehen recht bald, um größere Lehen im Osten zu erwerben. Die erhaltenen Urkunden in Latein sind die ersten Quellen dieser Dörfer. Ab 1376 gelangte Langwedel in den Besitz des Klosters Itzehoe.

Die Siedler hatten unter der Herrschaft des Klosters größere Freiheiten als unter den Rittern, den späteren Gutsherren. Sie blieben nur abgabenpflichtig.

Wie urwüchsig die Gegend war, zeigt die Ausdehnung der Wälder noch um 1500 (siehe oberste Karte). Im 30-jährigen Krieg litt Langwedel schwer unter den vielen Söldnern. Viele Höfe gingen in Flammen auf. Alles Vieh wurde gestohlen.

Nach der Reformation konnte sich das Kloster als eines der wenigen adeligen Damenstifte erhalten, bis heute! Ab 1650 wurden große Teile der Wälder für die Ziegel- und Glasherstellung gerodet (siehe Karte um 1790).

Im Zuge der Bodenreform um 1800 (Verkoppelung) ver-kaufte das Kloster seine Ländereien. Diese wurden parzelliert und an Siedler weiter verkauft (Langwedeler Holz, Ruhleben, Scheidekrug, Langwedeler Feld mit Jägerberg).

Langwedel entwickelte sich in der Nachfolge zu einem stattlichen Dorf. 1855 gab es 16 Bauernstellen, eine Wind- und Wassermühle des Klosters, 2 Wirtshäuser, eine Schule für 120 Kinder und außerhalb des Dorfes 3 Bauernstellen, die Kate Ruhleben, den Scheidekrug an der Grenze zu Blumenthal und eine Holzvogtei im Lang-wedeler Holz. 

1867 musste das Kloster die Verwaltung an die Preußen abtreten. 1889 gab es eine Postagentur (siehe 1. Foto), 1905 das Kaufhaus Hamann (siehe 2. Foto).

1928 gelangten  die Orte Pohlsee, Blocksdorf, Enkendorf und Manhagen mit Auflösung des eigenständigen Guts-bezirks Deutsch-Nienhof zum Gemeindegebiet.

Heute ist Langwedel durch den Bau von Eigenheimen, Sport- und Campingplatzanlagen beträchtlich ange-wachsen. Neben der heutigen Grundschule von 1881 ist noch die alte Schule von 1764 als Museum erhalten.


Wie kam es zu den heutigen Ortsnamen ?


Als der dänische König Christian III. die Reformation 1542 einführte und die Leute Luthers Bibel lesen wollten, mussten sie hochdeutsch lernen. Hochdeutsch wurde Amtssprache. In den neu eingerichteten Ämtern wurden alle Ortsnamen ins Hochdeutsche übertragen. Diese Aufgabe hatten die Amtsschreiber. Da sie in der Regel nur das Hochdeutsche kannten, kam es demzufolge häufig zu Übertragungsfehlern. Diese wurden von den Bewohnern nicht korrigiert, da auch sie nur das Plattdeutsche kannten (z.B. Ekehoe, Eichenwald, heute Itzehoe oder Nordörp, Norddorf, heute Nortorf oder Ossenbarg, Ochsenberg, heute Osselberg).  Die Kirche begann in dieser Zeit, den Kindern das Hochdeutsche beizubringen. Es dauerte aber noch lange, bis alle hochdeutsch sprechen und verstehen konnten.

In dieser Zeit wurden auch die Familiennamen Pflicht. Lediglich der Adel führte seit alter Zeit den Namen seines Lehnsgutes (Marquard von Westensee, Graf zu Rantzau). Für den Eintrag in die Steuerlisten verlangte der Amtsschreiber einen Familiennamen. Die Ersten führten ihren Beruf, den Namen ihres Vaters, ihren Spitznamen oder Ortsfremde ihre Herkunft an. Manche Amtsschreiber wie im fernen Nordfriesland verlangten nur den Namens des Vaters (Sohn des Peters = Petersen).

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