Wald ist Leben

von Götz Heeschen


Vom Waldland zum Kulturland !

"Blomendal"

An der Autobahn kurz vor Kiel liegt Blumenthal, ein typisches Dorf im Herzen Schleswig-Holsteins.

Als unsere Vorfahren entlang des alten Heerweges von Ekehoe (niederdeutsch Eichenwald, heute Itzehoe) in diese Gegend kamen, siedelten hier  slawische Wenden. Beim Anblick der gerodeten Wiesen inmitten des Waldes nannten sie diesen Ort "Blomendal“. Sie gründeten um 1300 ein Dorf mit vermutlich 12 Hufenstellen neben der wendischen Siedlung (Klein Blomendal, vermutlich später Osselberg, plattdt. Ossenbarg, Ochsenberg). Das Dorf lag in der Grenzmark zu den Wenden. Die Grenze bildete der Scheideweg (heute Scheidekate, Scheide-krug). 

Grundherr war der Eroberer, der Ritter vom Westensee. Er verlangte für den Schutz des Dorfes einen Teil der Ernte. Holz und Waldweide aber waren freigestellt. Da ihm das ganze Land bis Nortorf gehörte, verkauften seine Nachkommen das Dorf 1470 an das Kloster Bordesholm. Von den Hufen blieben nach der Pest um 1400 noch 8 übrig. Auch um 1500 war die Gegend noch überwiegend bewaldet  (siehe linke Karte). 

Mit der Reformation wurde das Kloster 1566 abgeschafft und das Gebiet dem Herzog von Schleswig zugesprochen. Nach Einführung der hochdeutschen Sprache hieß das Dorf Blumenthal. 

Der Herzog ließ mit der Gewinnung von Glas große Teile seiner Wälder roden. 1737 verteilte er das Gutsland in Erbpacht an Siedler, die Höfe abseits der Dorflage gründeten: Hof Sophienlust, Hof Osselberg (Landkrug), Bollhuser Teich mit Teichwirtschaft. Die Ernteabgaben wurden in Steuern überführt. Die Holz- und Weiderechte gerieten zum Problem, da der restliche Wald ausgeplündert war (siehe Karte von 1790). 

1805 hob der dänische König die Leibeigenschaft auf und leitete eine Bodenreform ein (Verkoppelung). Die Hufner wurden freie Bauern mit eigenem Land. Als Ersatz für ihre Rechte am Wald bekam jede Bauernstelle 4 ha Wald. Die verbliebenen königlichen Forsten sind mit einer Königskrone gekennzeichnet (SH Landes-forsten).

Die Bauern errichteten Höfe mit stattlichen Fassaden, wie auf dem Hof Nehlsen mit dem Bordesholmer Giebel (unteres Bild von 1936). Noch heute kann man die Häuser dieser Zeit im Freilichtmuseum Molfsee bewundern. 

1855 gab es eine Schule für 80 Kinder, 2 Wirtshäuser, eine Schmiede und div. Handwerker. 

1867 wurde das königliche Amt Bordesholm aufgelöst und Schleswig-Holstein preußische Provinz.

Ab 1882 gab es eine freiwillige Feuerwehr, 1908 eine Spar- und Darlehnskasse, eine Meierei mit Dampf-betrieb, eine Windmühle und eine Gemüsegärt-nerei (siehe Dorfansicht um 1910).

In den 1960er Jahren wurde die Landstraße nach Langwedel gebaut. Zuvor gab es einen gepflasterten Winterweg und einen unbefestigten Sommerweg. Er führte von der Altonaer Chaussee (B4) durch das Dorf bis zum Scheidekrug. Von dort führte ein einfacher Sandweg über Ruhleben weiter nach Langwedel.

1970 waren noch 8 Bauernstellen vorhanden. Blumen-thal erhielt 1972 den Anschluss an die Autobahn, 1977 Trinkwasser vom Heiligen Berg (Hochdruckbehälter des WBV), 1989 die Umgehungsstraße und 1993  ein neues Dorfgemeinschaftshaus mit Kindergarten.

Heute prägen Einfamilienhäuser das Dorfbild, da im Zuge des Preisverfalls und des Strukturwandels die meisten Bauernhöfe verschwanden. 




Schierensee

Das Dorf und das gleichnamige Gut liegen in wunderschöner Lage in der Nähe Kiels am Landweg nach Rendsburg.

Als unsere Vorfahren vom Süden in diese Gegend kamen, siedelten hier slawische Wenden. Ritter errichteten zu ihrem Schutz die Rottenburg unmittelbar am See. Sie rodeten die Gegend und nannten den See Schierensee (ndt. kahler See). Das 1. Foto von 1910 vermittelt noch diesen Eindruck ohne die Aufforstungen. 

Das Dorf hatte nach der Pest um 1400 nur noch 4 Bauernstellen (Hufen). Das benachbarte Bünstorp (am Hof Marienberg), in dem vielleicht die Wenden wohn-ten, ging während der Pest unter.

Die Ritter vom Westensee errichteten ausgehend von ihren Stammburgen Hohburg und Lohburg weitere Burgen in Bossee, Emkendorf, Deutsch Nienhof und zuletzt in Schierensee. Das Dorf wurde erstmals 1470 mit dem Verkauf an das Kloster Bordesholm erwähnt.

Zum Dorf gehörte der sogenannte Heeschenberg, ein lichter Buchenwald, der dem Dorf als Waldweide diente. Der Sage nach, soll hier ein Riese Hans Heesch gelebt haben, der gern auf einem Stein saß, der so groß gewesen sein soll, dass auf ihm ein Vierspänner wenden konnte. Der Stein soll tatsächlich mit den Maßen 20 x 20 Meter existiert haben. Casper von Saldern ließ ihn später zum Bau des Herrenhauses teilen.

Mit der Reformation wurde das Kloster 1566 abgeschafft und das Gebiet dem Herzog von Schleswig zugesprochen. Dieser ließ mit der Gewinnung von Glas große Teile der Wälder roden (Fahrenhorst, Glasberg, Annenhof, Rumohr-Hütten). Die Hufner klagten mehrfach, wenn Wälder für die Schweinemast verloren gingen. 1650 trieben sie noch 200 Schweine in den Wald, um 1750 waren es nur 20. Das Gutsland verteilte er in Erbpacht an Siedler, die Höfe abseits der Dorflage gründeten (siehe Karte von 1790).

Auf dem Gut Schierensee wechselten häufig die Besitzer. Sie standen meist im Dienste des Gottorfer Herzogs, wie auch Caspar von Saldern. Er erwarb 1751 das Gut, erhielt den Elefantenorden für seine Verdienste und eine hohe Provision. Damit kaufte er 1766 den Heeschenberg, errichtete einen englischen Park und baute 1774-78 das heutige Schloss. Seine Nachkommen erwarben 1806 den Bollhuser Wald vom Gut Pohlsee (ehemals Deutsch-Nienhof).

1771-1957 bestand die Holzvogtei im Bollhuser Wald,  1818-1998 die Försterei Heidberg, heute vermietet (sie-he 2. Foto von 1910). 

1855 gab es eine Schule für 50 Kinder, eine Schmiede und div. Handwerker.

1867 wurde das königliche Amt Bordesholm aufgelöst und Schleswig-Holstein preußische Provinz.

1887 gab es eine Meierei mit Dampfbetrieb, mehrere Wirtshäuser, 1891 eine freiwillige Feuerwehr, 1903-36 die Kolonialwarenhandlung Oskar Arnold, 1907-68 die „Hökerei Auguste Rix“.

1928 kam das Gut mit Auflösung der Gutsbezirke wieder zum Dorf (Kreis Bordesholm, 1932 Kreis Rendsburg). 1962 erfolgte der Bau der heutigen Landstraße nach Rendsburg. Beim Bau fand Claus Arp die Schaufeln eines Elches, der vor 8000 Jahren hier lebte.

Heute ist die Gegend dank der Aufforstungen am See (Heidberg) und am Gut (Fahrenhorst) wieder sehr wald-reich. Alte Bauernhäuser und neue Einfamilienhäuser prägen das Dorfbild.




Langwedel

Zwischen Nortorf und Blumenthal gelegen, kann Langwedel auf eine alte, spannende Geschichte zurück-blicken.

Vor 1000 Jahren zogen die Sachsen um Itzehoe in den Norden, in das Gebiet, dass sie einst mit der Völkerwanderung verlassen hatten. Es waren die Holsaten, die im Holze Sitzenden, heute Holsteiner, die um 900 n. Chr. Nordtorp (ndt. Norddorf, plattdt. Nordörp, heute Nortorf) gründeten. Wikinger und Wenden hatten das Land besiedelt und machten mit ihren Raubzüge das Land unsicher. Die Holsaten errichteten zu ihrem Schutz eine Fliehburg nördlich von Nortorf (Borgdorf).

Der Herzog der Sachsen beauftragte Ritter, die Holsaten zu schützen und die Gegend zu befrieden. Erst um 1100 gelang den Schauenburger Grafen, die wendischen Anführer zu vertreiben. Sie zogen weiter in den Norden und errichteten eine Siedlung an einer engen Furt, die sie leicht verteidigen konnten: Langwedel (ndt. lange Furt, erstmalig 1197 genannt).

Mit Unterstützung einheimischer Stammesführer, wie Marquard von Westensee, schlugen sie die wendischen Anführer in die Flucht. Mit den hier verbliebenen Wen-den einigten sie sich und gründeten Siedlungen in ihrer Nachbarschaft, wie Groß Vollstedt (neben Wendisch oder Klein Vollstedt), Groß Blumenthal (neben Wendisch oder Klein Blumenthal, später wohl Osselberg) oder Groß Flintbek (neben Wendisch oder Klein Flintbek).

Die Ritter erhielten das eroberte Land zu Lehen. Sie warben Siedler an, die sie mit Lebensmittel versorgten (Naturalabgaben). Sie verkauften ihre Lehen recht bald, um größere Lehen im Osten zu erwerben. Die erhaltenen Urkunden in Latein sind die ersten Quellen dieser Dörfer. Ab 1376 gelangte Langwedel in den Besitz des Klosters Itzehoe.

Die Siedler hatten unter der Herrschaft des Klosters größere Freiheiten als unter den Rittern, den späteren Gutsherren. Sie blieben nur abgabenpflichtig.

Wie urwüchsig die Gegend war, zeigt die Ausdehnung der Wälder noch um 1500 (siehe oberste Karte). Im 30-jährigen Krieg litt Langwedel schwer unter den vielen Söldnern. Viele Höfe gingen in Flammen auf. Alles Vieh wurde gestohlen.

Nach der Reformation konnte sich das Kloster als eines der wenigen adeligen Damenstifte erhalten, bis heute! Ab 1650 wurden große Teile der Wälder für die Ziegel- und Glasherstellung gerodet (siehe Karte um 1790).

Im Zuge der Bodenreform um 1800 (Verkoppelung) ver-kaufte das Kloster seine Ländereien. Diese wurden parzelliert und an Siedler weiter verkauft (Langwedeler Holz, Ruhleben, Scheidekrug, Langwedeler Feld mit Jägerberg).

Langwedel entwickelte sich in der Nachfolge zu einem stattlichen Dorf. 1855 gab es 16 Bauernstellen, eine Wind- und Wassermühle des Klosters, 2 Wirtshäuser, eine Schule für 120 Kinder und außerhalb des Dorfes 3 Bauernstellen, die Kate Ruhleben, den Scheidekrug an der Grenze zu Blumenthal und eine Holzvogtei im Lang-wedeler Holz. 

1867 musste das Kloster die Verwaltung an die Preußen abtreten. 1889 gab es eine Postagentur (siehe 1. Foto), 1905 das Kaufhaus Hamann (siehe 2. Foto).

1928 gelangten  die Orte Pohlsee, Blocksdorf, Enkendorf und Manhagen mit Auflösung des eigenständigen Guts-bezirks Deutsch-Nienhof zum Gemeindegebiet.

Heute ist Langwedel durch den Bau von Eigenheimen, Sport- und Campingplatzanlagen beträchtlich ange-wachsen. Neben der heutigen Grundschule von 1881 ist noch die alte Schule von 1764 als Museum erhalten.


Wie kam es zu den heutigen Ortsnamen ?


Als der dänische König Christian III. die Reformation 1542 einführte und die Leute Luthers Bibel lesen wollten, mussten sie hochdeutsch lernen. Hochdeutsch wurde Amtssprache. In den neu eingerichteten Ämtern wurden alle Ortsnamen ins Hochdeutsche übertragen. Diese Aufgabe hatten die Amtsschreiber. Da sie in der Regel nur das Hochdeutsche kannten, kam es demzufolge häufig zu Übertragungsfehlern. Diese wurden von den Bewohnern nicht korrigiert, da auch sie nur das Plattdeutsche kannten (z.B. Itzehoe, gemeint Ekehoe, hochdt. Eichenwald oder Osselberg, gemeint Ossenbarg, hochdt. Ochsenberg).  Die Kirche begann in dieser Zeit, den Kindern das Hochdeutsche beizubringen. Es dauerte aber noch lange, bis alle hochdeutsch sprechen und verstehen konnten.

In dieser Zeit wurden auch die Familiennamen Pflicht. Lediglich der Adel führte seit alter Zeit den Namen seines Lehnsgutes (Marquard von Westensee). Für den Eintrag in die Steuerlisten verlangte der Amtsschreiber einen Familiennamen. Die Ersten führten ihren Beruf, den Namen ihres Vaters, ihren Spitznamen oder Ortsfremde ihre Herkunft an. Manche Amtsschreiber wie im fernen Nordfriesland verlangten nur den Namens des Vaters (Sohn des Peters = Petersen).

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