Wald ist Leben

von Götz Heeschen

Wald ist Leben !

Wälder lassen Bäche fließen, das Land ergrünen und Leben entstehen.  Unzählige Arten finden hier eine Heimat. In ihrer Nachbarschaft gibt es fruchtbare Äcker, grüne Wiesen und reiche Städte. Sie schaffen die Lebensgrundlagen, auf die wir Menschen angewiesen sind.


Entdecken Sie die geheime Welt der Wälder, entdecken Sie Schleswig-Holsteins Wälder !



"Wälder sind das Leben eines Landes !"

Dieses Zitat fand man in den Keilschriften der Babylonier vor rund 4000 Jahren. Ist es nicht seltsam, wenn wir heute über uns und unsere Geschichte nachdenken?  Heute wird uns bewusst, dass wir alles aufs Spiel setzen, wenn wir so weiter machen. Wie nie zuvor, lässt uns die Corona-Krise erkennen, dass wir alle voneinander abhängig sind.  Sie zwingt uns, Verantwortung zu übernehmen, nach neuen Lösungen zu suchen und gemeinsam zu handeln. 

Wald ist Leben !

Keine Lebensgemeinschaft der Natur verdeutlicht uns die Artenfülle, die komplexen und harmonischen Wechselbeziehungen so wie die Lebensgemeinschaft "Wald". In Schleswig-Holstein gibt es noch alte Laubwälder, die bis in die Zeit der Wiederbewaldung nach der Eiszeit zurückreichen. 

Wie könnte es schöner sein !


Unsere Waldblumen zeigen auf, wie alt ein Wald ist!

Erst in den letzten Jahren wurden die erstaunlichen Zusammenhänge deutlich: Arten wie Buschwindröschen, Goldnessel und Perlgras kennzeichnen mit ihrer Verbreitung Wälder, die bis in das Mittelalter zurückreichen.

Unsere Wälder in Schleswig-Holstein müssen aber noch viel älter sein, da unser Land im frühen Mittelalter nach alten Quellen noch ein reines Waldland war und später erst besiedelt wurde.

Antworten hierzu gibt die Pollenanalyse: Die männlichen Samen-körner sind winzig klein, aber von Art zu Art sehr unterschiedlich. Sie blieben im feuchten Boden mehrere 1000 Jahren erhalten. Analysiert man das Alter der Ablagerungen, gewinnt man Erkenntnisse zum Vorkommen der Arten jener Zeiten. Mit ihrer Verbreitung geben sie ein spannendes Bild der Geschichte des Landes und seiner Wälder. 

Wald sorgt für nachhaltige Kreisläufe !

Der Wald saugt den Regen wie ein Schwamm auf und gibt die Feuchtigkeit übers Jahr verteilt wieder ab. Mit der Verdunstung trägt er den Regen von den Küsten weit ins Land. Er nimmt mit der Photosynthese und der Erzeugung von organischer Substanz große Mengen Kohlendioxid auf und gibt Sauerstoff frei. Dies ermöglicht Lebewesen zu atmen und sich zu ernähren, die wiederum Kohlendioxid frei geben.

Diese Kreisläufe waren den Menschen lange Zeit nicht bewusst. Die Zerstörung der Wälder seit der Antike führte zur Klimaänderung Südeuropas und Vorderasiens. Sie führt heute weltweit zu Dürren und Klimaänderung, wie in Südamerika. Mit der Verbrennung fossiler Energie setzen die Menschen große Mengen Kohlendioxid frei, die nur zum Teil vom Wald kompensiert werden und Jahr für Jahr unsere Atmosphäre als Treibhausgas belasten.

Totholz schafft neues Leben !

Eine Schlüsselrolle spielt Totholz. Aus Totholz wird Humus. Humus bindet Nährstoffe, Feuchtigkeit und Kohlendioxid. Der Humus lässt Pilze wachsen, die wiederum die Bäume mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Damit können sie Trockenzeiten überdauern und auch auf armen Böden gedeihen.

Werden die Wälder zu stark genutzt, verarmen die Humusvorräte. Sie können das Regenwasser nicht mehr genügend aufnehmen und sind in Trockenzeiten gefährdet. 

Seine Geschichte ist unsere Geschichte !

Bis ins frühe Mittelalter war Schleswig-Holstein dicht bewaldet. Erst mit der Besiedlung im späten Mittelalter wurde der Wald durch die bäuerliche Nutzung immer weiter zurückgedrängt. Der Adel legte Gutshöfe an und verlangte immer höhere Abgaben. Die Gewinnung von Holzkohle und Glas ließ den Wald im 18.Jahrhundert auf 4 Prozent dahin schwinden. Um der Holznot zu entgehen, folgten große Aufforstungen mit standortsfremden Fichten. Die Nutzung von Steinkohle und Erdöl führte schließlich zur Entlastung des Waldes. Ihre Verbrennung aber macht dem Wald wie auch den Menschen heute immer mehr zu schaffen. Treibhausgase und Klimawandel fordern eine nachhaltige und naturnahe Nutzung aller Ressourcen. Der Wald mahnt zur Umkehr! 

Alles bio oder was ?

Mit Einführung der Forstwirtschaft Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Wälder in Deutschland nachhaltig genutzt: Es wird nur so viel Holz geschlagen, wie nachwächst. Als Gedankenmodell diente der Altersklassenwald. Dieser wurde über 100 Jahre lang hartnäckig verteidigt, da man insbesondere mit der Fichte hohe Erträge erwartete. Doch diese Erträge blieben Theorie. Nachhaltigkeit allein genügte nicht: Die Wälder verlangten Naturnähe!

Die Abkehr vom Altersklassenwald war eine Revolution! Seit 1992 werden Schleswig-Holsteins Wälder naturnah bewirtschaftet, d. h. ohne Kahlschlag, vorrangig mit heimischen Baumarten und Naturverjüngung, ohne Chemie und ohne Düngung, mit Erhalt von Totholz und Naturwald. Eine besondere Bedeutung findet der Biotopschutz.  

Mit der Reduktion von Schwefel und Schwermetallen in der Atmosphäre konnte dem Waldsterben Einhalt geboten werden. Heute aber machen die Stickoxide dem Wald zunehmend zu schaffen. Mit dem drohenden Klimawandel mahnt er zur notwendigen Umkehr, zu mehr Nachhaltigkeit und Naturnähe für alle Lebensbereiche. 

Klein aber oho !

Schleswig-Holstein ist das waldärmste Bundesland. Es hat gerade mal 11 Prozent Wald. Dennoch spielt der Wald eine große Rolle:

Er ist mit 65 Prozent besonders reich an einheimischen Laubbäumen. 30 Prozent der Standorte sind bis in die Nacheiszeit durch-gehend Wald geblieben. 

Der Wald gibt unserem Land die schönsten Kontraste. Menschen suchen ihn als Inseln der Ruhe und Geborgenheit auf. Er schafft ein ausgeglichenes Klima und sichert unsere Lebensgrundlagen. Er ist ein Zuhause für zahllose Pflanzen und Tiere und Quelle der genetische Artenvielfalt. 


Wald führt zur Besinnung !

In der von Menschenhand gemachten Umwelt entfernen sich  die Menschen immer weiter von der Natur. Sie merken gar nicht, wie sie sich damit vom Leben und vom Miteinander entfernen. Früher oder später muss es zur Krise kommen. Die Corona-Krise offenbart es.  Sie zwingt zur Besinnung!  

Wald macht glücklich !

Der Aufenthalt im Wald lässt uns zu Ruhe kommenEr gibt uns Kraft und wir spüren die frische Waldluft. Die vielen Eindrücke inspirieren uns und wir kommen auf neue Gedanken.  Wir atmen Pflanzenstoffe ein, die unser Immunsystem stärken, wie Terpene, Gerbstoffe der Bäume zur Abwehr von Viren und Bakterien. Wir stärken den Kreislauf, senken den Herzschlag und entspannen den Blutdruck. Das lichte Grün beruhigt unsere Augen, Stresshormone werden abgebaut und Glückshormone freigesetzt.  Im Frühling lässt er uns den Zauber der erwachenden Natur verspüren. Im Sommer verschafft er uns wohltuende Abkühlung und schützt uns vor der harten UV-Strahlung. Im Herbst zeigt er uns seine rotbraune Farbenpracht und lässt uns die Vergänglichkeit des Lebens spüren. Im Winter schützt er uns vor den kalten Winden und gibt uns Hoffnung auf einen Neuanfang.

Wald macht demütig !

Schon bei Eintritt in den Wald spüren wir, dass hier die Natur das Sagen hat. Wir sind nur kleine Lichter, die andächtig unter den alten Bäumen herumlaufen. Uns ist bewusst, dass wir nur einen Teil der Wirklichkeit erfassen. Die tiefen Zusammenhänge der Natur bleiben uns verborgen. Je weiter wir aber vordringen, desto erstaunlicher ist ihre Welt. Wie unsere Vorfahren so verspüren  wir eine Harmonie im Wald, die über unserem Verständnis liegt. Der Einklang mit der Natur gibt uns das Gefühl der Geborgenheit. Wir erkennen, dass unsere Wohlstandsgesellschaft nur auf tönernen Füßen steht und dass die Zukunft im Einklang mit der Natur  liegt.

Sein Geheimnis !

Wir haben uns so sehr an die Umwelt gewöhnt, dass wir die alltäglichen Wunder gar nicht mehr wahrnehmen. Doch schauen wir genauer hin - verweilen wir im Wald und lauschen! Dann werden uns die geheimen Dinge kund!

Die Natur sorgt für die kleinste Geschöpfe, die anderen zum Leben verhelfen. Diese erfreuen sich am Leben und dienen dem Nächsten in Freude: das alles auf harmonische Weisen, ästhetisch in Vollendung! Dem Menschen bleibt nur das Staunen. 

Was ist das Wesen der Natur? Der Kampf um das Dasein? Der Sieg des Stärkeren? Nein - hier irrt der Mensch! Nicht der Beutegreifer herrscht über die Beutetiere, sondern es sind die Beutetiere, die sein Wohlergehen bestimmen.  Nicht der Stärkere seiner Art überlebt, sondern der sich am besten an seine Umwelt anpasst. Nicht die großen Saurier überlebten den Asteroiden-Einschlag vor 65 Millionen Jahren sondern die kleinen Nagetiere unter der Erde, Vorläufer der Säugetiere.

Die Natur schreibt auf geheimnisvolle Weise vor, wohin die Reise geht! Sie hat das Sagen - erstaunlich in der Rückschau, ungewiss in der Vorschau! Wer nicht mit ihr ist, den verlässt das Glück!

Mehr Wissen ?

Wenn Ihnen meine Internetseite gefällt und Sie mehr wissen wollen, dann wählen Sie oben weitere Seiten!